Warum wir die zweite Fremdsprache in der Schule endlich loswerden sollten

Sprachenlernen ist anstrengend, zeitaufwendig und – Hand aufs Herz – wozu braucht man heutzutage überhaupt noch eine zweite Fremdsprache? In einer Welt, in der Übersetzungs-Apps und Künstliche Intelligenz (KI) uns jeden Satz in Sekundenschnelle übersetzen können, scheint es doch geradezu überflüssig, sich mit Grammatik, Vokabeln und Aussprache herumzuschlagen. Warum also nicht einfach die zweite lebende Fremdsprache gänzlich aus dem Lehrplan streichen, statt sie nur einzukürzen? Ein paar Gedanken zur Kürzung – oder besser: Befreiung – von dieser unnötigen Last.

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Ironie, Polemik und Sarkasmus fragen Sie bitte Ihr Sprachgefühl oder Ihren Humor.

Gebrauchsanleitung zur Lektüre

Weniger Unterrichtsstunden, mehr Freizeit!

Wer möchte schon 600 bis 800 Unterrichtsstunden darauf verwenden, um ein B2-Niveau in einer Fremdsprache zu erreichen? Englisch zum Beispiel. Oder eben 200-350 Unterrichtsstunden für das B1-Niveau, das in der zweiten lebenden Fremdsprache erreicht werden soll. Das ist doch reine Zeitverschwendung! Diese Stunden könnten viel besser genutzt werden – für wichtigere Dinge wie Challenges auf TikTok, Binge-Watching Netflix oder das Doomscrolling durch Instagram – Brain Rot ist der neue Trend, da muss man doch auch mitreden können. Absolut gemeinschaftsfördernd, sowohl die Challenges, als auch die Brain Rots – und irgendwie muss man von dieser stressigen Welt ja auch Abstand gewinnen und den Geist entspannen.

Vieler Leute Muße ist voller Beschäftigung.

Lucius ANNaEUS SENECA (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

Schließlich ist es auch viel einfacher, sich einfach auf die automatische Übersetzungsfunktion des Smartphones oder die automatisch generierten Untertitel in den Videos zu verlassen. Warum sich also die Mühe machen, eine Sprache zu lernen, wenn man sie sowieso nie perfekt sprechen wird? Das widerspricht doch irgendwie der in der Bildung oft zitierten und absolut notwendigen Effizienz und dem gelebten Leistungsprinzip.

Und mal ehrlich: Wer braucht schon Französisch, Spanisch oder Italienisch, wenn man mit Englisch doch überall durchkommt? Die Welt spricht Englisch, oder? (Zumindest, wenn man die etwa 7.000 anderen Sprachen ignoriert, die weltweit gesprochen werden – haben ja auch nicht alle wirklich viele Sprecher:innen.) Also, warum sich mit einer zweiten Fremdsprache quälen, wenn man die Zeit auch in andere Fächer, wie Medien und Demokratie oder Informatik und Künstliche Intelligenz, investieren könnte?

Die EU und ihre unrealistischen Forderungen

Die Europäische Union mag ja fordern, dass jede:r Bürger:in neben der Erstsprache zwei weitere Sprachen beherrschen sollte, um kommunizieren zu können, aber: Wer hört schon auf die EU? Klar, die Expert:innen argumentieren, dass Mehrsprachigkeit die Mobilität fördert, die Zusammenarbeit zwischen Ländern erleichtert und kulturelle Barrieren abbaut bzw. Sprecher:innen für diese sensibilisiert. Aber ist das wirklich so wichtig? Und was heißt eigentlich kommunizieren? Das kann ich doch auch mit Händen und Füßen? Schließlich gibt es ja Google Translate oder DeepL, und die sind kostenlos. Warum also die Mühe machen, eine Sprache zu lernen, wenn man einfach eine App nutzen kann? Vom möglichen Knopf im Ohr gar nicht zu sprechen – da geht die Übersetzung quasi in Echtzeit und wird in Deutschland als Ersatz für den Fremdsprachenunterricht ja ebenfalls schon länger diskutiert.

Außerdem, wer hat schon Lust, sich mit den kulturellen Eigenheiten anderer Länder auseinanderzusetzen? Es ist doch viel einfacher, wenn alle einfach Englisch sprechen und die anglophonen Werte und Haltungen, die über Sprache ja angeblich transportiert werden, übernehmen. Dann müssen wir uns auch nicht mit komplizierten Grammatikregeln oder seltsamen Redewendungen herumschlagen. Die EU sollte sich lieber auf wichtigere Dinge konzentrieren, als uns mit solchen Forderungen zu belästigen. In der Schule sollte man sich ohnehin auf die Fächer konzentrieren, die man später in der Arbeitswelt auch wirklich brauchen kann. Kreatives und Musisches, damit kann man doch wirklich nur in den seltensten Fällen Geld verdienen.

Demokratiebildung? Das geht auch ohne Sprachen!

Manche behaupten, dass Sprachenlernen wichtig für die Demokratiebildung ist. Sie sagen, dass es uns hilft, andere Perspektiven zu verstehen, uns differenziert auszudrücken und kritisch mit Informationen umzugehen. Naja, sollte man nicht fragen: Wer braucht schon all das? Wir haben doch unsere Meinungen, und die sind sowieso die richtigen. Warum sollten wir uns also die Mühe machen, andere Kulturen oder Denkweisen zu verstehen? Das ist doch reine Zeit- und Ressourcenverschwendung. Unsere Erstsprache reicht, ist ja auch die Demokratie in unserem Land und nicht anderswo. Wenn wir unsicher sind, dann fragen wir einfach die KI, Grok zum Beispiel oder auch ChatGPT, vollkommen egal. Sie kann uns sagen, was richtig und was falsch ist.

Außerdem, wenn wir alle dieselbe Sprache sprechen, gibt es doch gar keine Missverständnisse mehr, oder? Demokratie funktioniert doch am besten, wenn alle einfach einer Meinung sind und diese in ihrer Erstsprache, die sie ja am besten können, ausdrücken. Und wenn wir uns nicht mit anderen Perspektiven auseinandersetzen müssen, bleibt uns mehr Zeit, um unsere eigenen Ansichten zu verteidigen. Klingt doch nach einer Win-Win-Situation!

Sprache ist mehr als Übersetzen? Ach, wirklich?

Es wird oft gesagt, dass Sprache mehr ist als nur ein Mittel zur Kommunikation – dass sie Kultur, Werte und Haltung transportiert. Ganz ehrlich: Wer hat schon Zeit, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, außer denjenigen, die darüber schreiben? Wir leben in einer Welt, in der alles schnell gehen muss. Wer hat da noch die Geduld, sich mit den Feinheiten einer anderen Sprache auseinanderzusetzen? Und hey, messen lassen sich Werte und Haltungen auch so schwer – passt also gar nicht ins Bildungssystem irgendwie.

Sprache ist Ausdruck des Geistes.

Novalis (1772-1801)

Und was bringt es uns, wenn wir durch das Lernen einer Fremdsprache auch mehr über unsere eigene Kultur erfahren? Wir wissen doch schon, wer wir sind, oder? Wir brauchen keine anderen Sprachen, um uns selbst zu verstehen. Außerdem, wenn wir uns zu sehr mit anderen Kulturen beschäftigen, könnten wir am Ende noch auf die Idee kommen, dass unsere eigene Kultur nicht perfekt ist. Und wer will das schon?

KI regelt das schon

In einer Welt, in der Künstliche Intelligenz immer besser wird, ist es doch völlig überflüssig, Sprachen zu lernen. Warum sollte man sich die Mühe machen, Vokabeln zu strebern, Gedichte auswendig zu lernen, Phrasen zu üben, wenn man einfach eine App fragen kann? Übersetzungsprogramme wie Google Translate, DeepL oder KI-Modelle wie ChatGPT können doch alles für uns erledigen.

Natürlich gibt es da diese nervigen Leute, die behaupten, dass Künstliche Intelligenz Vorurteile durch Biases haben könnte oder manchmal falsche Informationen liefert, also halluziniert. Wer hat schon die Zeit, das zu überprüfen? Wir können doch einfach alles glauben, was uns die KI sagt und einfach so übernehmen – vielleicht lassen wir uns Texte ja vorlesen, weil das Selber-Lesen ist ja auch so anstrengend. Vorlesen ist genauso gut wie selber lesen. von wegen Lesekrise – gibt ja genug Podcasts heutzutage, um sich zu bilden.

Lesen heißt borgen, daraus erfinden, abtragen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Und überhaupt: Kritisches Denken wird sowieso überbewertet. Und wenn wir mal einen schlechten Prompt eingeben und die KI uns nicht versteht – na und? Dann probieren wir es halt nochmal. Irgendwann wird es schon klappen. Und wenn wir Stunden kürzen, haben wir für mehrfaches Prompten auch total viel Zeit. Und wir lernen die Kommunikation mit der KI ganz nebenbei – das geht in unserer Erstsprache richtig gut, schließlich sind unsere Erstsprachen in den jeweiligen Trainingsdatensätzen ausreichend enthalten.

tl;dr: Wer braucht schon Sprachen?

Also, warum sollten wir uns mit Sprachenlernen abmühen? Es ist anstrengend, zeitaufwendig und – Hand aufs Herz – in einer Welt voller Übersetzungs-Apps und KI-Tools doch eigentlich überflüssig. Die EU mag zwar von Mehrsprachigkeit schwärmen, aber wir wissen es besser: Eine, nämlich unsere, Sprache reicht völlig aus. Kulturelles Verständnis, kritisches Denken? Alles nette Ideen, aber doch nicht wirklich notwendig, oder? Wir lernen ja eh Englisch, das passt dann schon.

Natürlich könnte man argumentieren, dass Sprachenlernen uns hilft, die Welt besser zu verstehen, uns mit anderen Kulturen zu verbinden und unsere eigene Identität zu reflektieren. Aber wer hat dafür schon Zeit? Schließlich gibt es wichtigere Dinge im Leben – wie das nächste Netflix-Binge-Watching oder das Scrollen durch Social Media.

Also, lasst uns die zweite lebende Fremdsprache nicht nur kürzen, sondern einfach streichen. Weniger (keine) Unterrichtsstunden, weniger (kein) Stress, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und wenn wir dann doch mal eine andere Sprache brauchen? Na, dafür gibt’s ja schließlich eine App, die perfekt versteht und aushilft. Wir können dann zwar nicht überprüfen, ob die App recht hat, aber man wird ihr ja doch wohl vertrauen können

Tiefe Bildung glänzt nicht.

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Mein Vertrauen hält sich in Grenzen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich lese Texte gerne im Original, tauche in die Sprache und Gedanken der Schreibenden (und weniger ihrer Übersetzer:innen) ein. Lache über Witze und Wortspiele, die in der deutschen Übersetzung so gar nicht aufgehen, auch wenn die Übersetzer:innen sich wirklich Mühe gegeben haben. Und außerdem: Ich lerne andere Sprachen, weil sie mich vor dem Älterwerden und auch Demenz schützen. Anti-Aging mit kulturellem Mehrwert. Ein Luxus. Und vielleicht das allerwichtigste Argument für mich:

Ich lerne andere Sprachen, weil ich an den Wert von Bildung glaube.

2 Gedanken zu „Warum wir die zweite Fremdsprache in der Schule endlich loswerden sollten

  • Februar 8, 2026 um 9:57 p.m. Uhr
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    Ich tauche in der Pension gerade in kroatische Sphären ein und versuche sie zu verstehen.
    Die Tür hat sich schon ein bisschen geöffnet, v. a. zu den Menschen.☺
    Und Latein habe ich wegen der Logik geliebt.

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    • Februar 9, 2026 um 6:54 p.m. Uhr
      Permalink

      Ich versuche schon seit längerem mein Kroatisch zu verbessern, komme aber zeitlich zu wenig dazu – vielleicht in der Pension 😉 Sprachen sind Türöffner, auch zu den Herzen der Menschen (manchmal) <3

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