Vom Aussprechen zur Aussprache

Ein kurzer Beitrag mit drei Applikationen, die dabei helfen können, die Aussprache individuell zu trainieren.

Eine Sprache zu sprechen, heißt auch sie auszusprechen.  Das Training der Aussprache braucht manchmal ein wenig Überwindung und manchmal auch ein wenig Mut. Falsch ausgesprochene Wörter können andere Bedeutungen haben, falsche Betonungen (auf Wort- und Satzebene) ebenfalls. Im Sprachunterricht sollte die Aussprache korrigiert werden, wenn die Bedeutung verloren geht (durch die falsche Aussprache). Zu viel Korrektur ist demotivierend – man traut sich schon gar nichts mehr sagen – aus Angst Fehler zu machen. Zumindest mein (schulischer) Sprachunterricht war so geprägt… Damals musste man noch Native-like klingen.

Quelle: Pixabay

Ich möchte vielleicht zuhause alleine üben, ohne ein Gegenüber trainieren. Wer aber korrigiert mich dann? Wer zeigt mir, wie es klingen soll? Wer hilft mir, meine Aussprache zu verbessern? Im Sprachunterricht ist die individuelle Einzelförderung meist eine Frage der zeitlichen Ressourcen. Es gibt aber Möglichkeiten, sich selbst auf die Aussprache zu stürzen. Drei verschiedene Zugänge möchte ich hier nennen – eine kleine Auswahl, die gerne ergänzt werden kann.

Singen hilft!

Musik schafft gute Laune, sie tröstet und sie lässt uns tanzen und auch singen. Emotionen und Bewegung treffen einander, die fremde Sprache hört sich nach mehrfachem Hören vielleicht sogar gar nicht mehr so fremd an. Aber manchmal versteht man nicht alles so ganz richtig – Agathe Power lässt grüßen. Lyricstraining hilft hier mit dem Karaokemodus: Das Musikvideo wird um den Songtext angereichert. Man muss nicht zwischen dem ausgedruckten Text und dem Smartphone wechseln. Kein Split-Attention-Effekt. Alles auf einen Blick. Beim Mitsingen trainiert man die Aussprache, wenn man bewusst mitsingt und vielleicht den gehörten Regiolekt oder Soziolekt nachzuahmen versucht. Und singen macht doch auch irgendwie Spaß, gemeinsam mit Freund:innen im Karaokemodus oder alleine zuhause, ohne Zuhörer:innen. Gleichzeitig werden die Gesichtsmuskeln trainiert – eine Win-Win-Situation vielleicht?

Schreiben wie gehört!

Aber das hab ich doch genau so gesagt… Nun, wirklich? Auch so ausgesprochen? Eine kritische Zuhörerin ist die Applikation Speechtexter – eine von vielen Möglichkeiten der Speech-to-Text-Anwendung. Man spricht einen Text laut und die Applikation transkribiert in Echtzeit. Der Vorteil von Speechtexter ist dabei, dass zahlreiche Sprachen ausgewählt werden können, für das Deutsche wird beispielsweise zwischen Deutsch (Deutschland), Deutsch (Österreich) und Deutsch (Schweiz) unterschieden. Die Transkriptionsqualität ist sehr gut, auch wenn man ein wenig schlampig spricht. Was der Anwendung jedoch fehlt, ist ein Feedback auf den gesprochenen Text. Die Aussprache wird nicht kommentiert, es wird lediglich aufgeschrieben, was gehört wird. Ist das Gehörte nicht identifizierbar, wird es auch nicht korrekt transkribiert. Und genau da kann man sehen, welche Wörter man vielleicht noch mal üben sollte.

Aussprache mit Feedback trainieren!

Will man Feedback auf einen gesprochenen Satz bekommen, gibt es wenige kostenfreie Anwendungen, auf die zurückgegriffen werden kann. Im Gespräch kann man das Gegenüber natürlich um Feedback bitten, aber tun wir das auch wirklich? Stört es nicht die Unterhaltung? Wollen wir wirklich von anderen Menschen korrigiert werden? Vielleicht hilft dabei eine Maschine, also Künstliche Intelligenz (KI). Es gibt seit einiger Zeit den AusspracheTrainer, ein Familienprojekt aus Deutschland für das Üben von Deutsch, Englisch und Französisch. Man lässt einen Satz generieren oder schreibt einen Übungssatz. Danach kann der Text angehört werden und man kann den Satz nachsprechen und aufnehmen. Dabei gibt es Feedback durch die KI. Überall 100% zu erreichen ist schwierig (wie mein Selbstversuch auch gezeigt hat), worauf man die Lernenden hinweisen sollte. Sobald die Färbung gelb oder grün ist, ist das in Ordnung. Das Feedback ist aber hilfreich, obwohl man nicht genau erfährt, was genau falsch ist. Man sieht nur die drei Kategorien: Genauigkeit | Vollständigkeit | Redefluss. Damit gibt die Anwendung aber wichtige Hinweise. Ein weiterer Pluspunkt der Applikation: Sie stammt aus Deutschland, funktioniert ohne Anmeldung und beschreibt die DSGVO-Konformität.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert