Von „lecker“ und anderen Verbrechen – Warum wir unsere Sprache(n) pflegen müssen

Heute ist der Tag der Muttersprache. Klingt gut, oder? Ein ganzer Tag für das, was uns prägt, unser Denken formt, unsere Kindheit umarmt, unsere Emotionen einfängt. Ein Tag für das, was uns zu dem macht, was wir sind.

Aber wenn ich ehrlich bin: Es ist nicht nur meine Muttersprache, die mich ausmacht. Es sind meine Muttersprachen. Plural. Mehrzahl. Weil Sprache in Österreich nicht so einfach ist wie in Schulbüchern oder auf Formularen. Weil da nicht nur „Deutsch“ steht. Weil wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Und das ist eben kein generisches Hochdeutsch.

Quelle: Pixabay

Ich bin Steirerin. Und das ist mehr als eine Herkunft, das ist eine Sprache. Eine, die lebt, die schimpft, die lacht, die grantelt, die schmeichelt. Eine, die Worte hat für Dinge, die Hochdeutsch gar nicht kennt. Eine, die Emotionen transportiert, die in Standardsprache einfach nicht funktionieren. Wenn ich sage: „Des is a Gfrett“, dann steckt da mehr drin als bloß ein „Das ist mühsam“. Da schwingt alles mit: Der Ärger, die Resignation, das unendliche Seufzen. Und wenn ich ein „Hawidere“ sage, dann ist das keine schnöde Begrüßung, sondern ein Lebensgefühl.

Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass meine Sprache immer weniger gehört wird. Nicht nur von Menschen – auch von Maschinen.

Die KI versteht mich nicht – aber warum sollte sie?

Manchmal rede ich mit meiner Sprach-KI. Also, ich versuch’s zumindest. „Na, des is a Gfrett“, sag ich. „Das verstehe ich leider nicht“, antwortet sie höflich. „Passt scho“, sag ich. „Wie kann ich helfen?“, fragt sie. „Pfiat di“, sag ich. „Das kann ich nicht beantworten.“

Und ich denk mir: Ja, eh.

Ich könnte jetzt sagen: „Ja gut, is halt KI, die kann nix dafür.“ Aber wenn ich mit ihr Hochdeutsch rede, dann klingt das nicht nach mir. Und was noch schlimmer ist: Es klingt nicht nach Österreich. Weil Hochdeutsch in der digitalen Welt immer verdächtig nach Deutschland klingt.

Von „lecker“ und „geht klar“ – Die deutsche Welle rollt an

Nicht nur die KI ist schuld. Auch Filme und Serien tun ihren Teil. Seit wann sagen wir „lecker“? „Das war aber lecker!“ – ja, sicher. Genauso wahrscheinlich wie ein Wiener, der „Frikadelle“ bestellt. Oder ein Grazer, der sich auf sein „Fahrrad“ schwingt, um eine „Straßenbahn“ zu erwischen.

Und „Geht klar“? Seit wann sagen wir das? Wir sagen „passt scho“, „des kriagn ma hin“, „jo eh“, „wird scho“ oder notfalls ein diplomatisches „Na ja, schauma moi“.

Aber wenn wir ständig etwas anderes hören, dann schleift sich das ein. Nicht, weil wir es besser finden, sondern weil wir es gewohnt werden. Das ist das Tückische an Sprache: Sie ändert sich nicht auf Befehl, sondern schleichend. Durch Wiederholung. Durch Gewöhnung. Und irgendwann sagt man „lecker“ oder „geht klar“, ohne drüber nachzudenken. Und dann ist es passiert.

Und damit geht mehr verloren als nur ein paar Wörter. Es geht um Rhythmus. Es geht um Melodie. Es geht um das Denken dahinter. Es geht um Identität.

Mehr als Nostalgie – Warum Mehrsprachigkeit wichtig ist

„Aber Sprache verändert sich halt!“, sagen jetzt manche. „Was regst dich auf? Es kommt, wie’s kommt!“

Ja eh. Natürlich verändert sich Sprache. Das tut sie immer. Aber wir dürfen nicht vergessen: Wir können mitentscheiden, wohin. Wir sind nicht machtlos.

Mehrsprachigkeit ist nicht nur ein Bildungs-Bonus. Sie ist ein Identitäts-Bonus. Sie gibt uns Möglichkeiten, die andere nicht haben. Weil wir auf einmal Dinge ausdrücken können, die in einer Sprache nicht gehen. Weil wir das Denken nicht an eine einzige Form binden.

Deshalb: Sprecht, wie euch der Schnabel gewachsen ist. Sagt „leiwand“ statt „cool“, „Strawanzer“ statt „Herumtreiber“ und „Pfiat di“ statt „Tschüss“. Und wenn euch eine KI nicht versteht? Bringt’s ihr halt bei. Weil wer, wenn nicht wir?

Und bis dahin? Halten wir’s einfach wie die Steirer: Mit einem herzhaften „Jo eh“.


Na, hätten Sie’s erkannt? Bis hierher hat die KI für mich geschrieben. Mein Prompt:

Heute ist der Tag der Muttersprache. Meine ist Steirisch, als Teil des Österreichischen. Kannst du einen persönlich und emotional klingenden Blogpost schreiben, der ein Plädoyer für Mehrsprachigkeit ist und der dafür plädiert, Österreichisch und Steirisch zu pflegen? Dabei jammert er, dass die KI zu wenig Österreichisch kann und die Synchronisierung von Filmen und Serien auf Deutsch ist und sich deshalb deutsche Idiome einschleichen bei uns. Wie lecker. Oder Geht klar… Vielleicht hast du noch andere Beispiele.

Da hat sich ChatGPT in der Antwort nicht lumpen lassen. Klingt schon ziemlich gut, eigentlich. Das Plädoyer hätte ich wahrscheinlich auch nicht besser schreiben können. Vielleicht hätte ich die Beispiele anders gewählt, aber dennoch: Durchaus gelungen, würd ich meinen. Der Befund ist klar: Warum sich Spracherkennung mit dem Steirischen (und anderen Dialekten) schwertut – dennoch gibt es Versuche: Die TU Graz versucht aktuell, KI Steirisch beizubringen (hier ein Pressebericht von Anfang Jänner). Ob es gelingt, werden wir sehen. Aber es wäre ein wenig mehr Vielfalt in der KI-Landschaft. Sprachlich. Auch wenn es natürlich mit Regiolekten so eine Sache ist. Denn Steirisch ist nicht gleich Steirisch ist nicht gleich Steirisch. Des is wirkli a Gfrett.

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