Mehrsprachigkeit. Ein unwissenschaftlicher Beitrag.

Heute ist der 21. Februar, der Tag der Muttersprache. Politisch korrekt der Erstsprache. Wieso sie so wichtig ist? Weil wir sie spüren. (M)eine Herzensangelegenheit.

Bitten Sie mal jemanden, in der Erstsprache ein sprachliches Phänomen zu erklären. Vielfach werden Sie ein Achselzucken bekommen. „Weiß ich nicht.“ „Ist halt so.“ Ja, wieso machen Sie das so? „Ich spüre es einfach.“  Die Erstsprache – man nennt sie auch Muttersprache, obwohl es auch die Vatersprache sein kann – ist ein wichtiges Sprachsystem, das es zu festigen gilt, weil ein gefestigtes Sprachsystem uns dabei hilft, weitere Sprachen zu lernen oder/und Sprachsysteme aufzubauen. Sprache schafft Vertrautheit, gibt Sicherheit, prägt unsere Identität. Dabei muss es nicht eine Erstsprache sein, es können auch mehrere Erstsprachen sein. Und die Erstsprache muss auch nicht unbedingt die Sprache sein, die wir am besten können. Das ist jetzt sehr unwissenschaftlich – wer einen wissenschaftlicheren Zugang sucht, wird hier fündig.

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Schön zusammengefasst hat die Situation die Sprachwissenschaftlerin und Expertin für Mehrsprachigkeit Zwetelina Ortega in ihrem Beitrag Muttersprache: Überholter Begriff oder Spiegel der Realität? im Standard, genau vor einem Jahr. Sie spricht von einer Sprachenvielfalt, die wir erleben: Herkunftssprache, Erstsprache, Herzenssprache, Familiensprache…  Sie denken nun vielleicht an Menschen in Ihrer Umgebung, die vielleicht einen Migrationshintergrund haben? Sie denken zu weit.

Mehrsprachige Gesellschaft: Schon immer

Unsere Gesellschaft ist eine mehrsprachige und wir werden in diese Mehrsprachigkeit geboren. Glauben Sie mir, als Steirerin weiß ich, wovon ich spreche. Gut, Sie werden mir jetzt erklären, dass Steirisch keine Sprache ist. Das ist korrekt. Es ist kein Dialekt. Es ist viele Dialekte. Es ist auch kein Sprachsystem. Nein, es ist viele Sprachsysteme. Sprachsysteme, die sich untereinander nicht unbedingt verstehen, aber meist zu helfen wissen. Translanguaging im Alltag.

Und wenn wir diese Sprachsysteme – betreffen sie nun den Wortschatz, die Aussprache, die Grammatik oder den Satzbau oder einfach den Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache – nicht pflegen, dann verschwinden sie.

Sprachen verändern sich. Sie sind dynamisch. Und sie prägen unsere Identität und unser Denken, wie die Mundart, die uns umgibt (ein Unterrichtsbeispiel der Seite voXmi dazu) Manche Sprachen haben höheres Prestige als andere. Dabei sind alle Sprachen gleich viel wert. Manche Sprachen verändern sich aktiver als andere. Manche Sprachen sterben aus (wie vielleicht das Saterfriesische), weil wir sie nicht pflegen. Lesen Sie dazu mal So krass war Ur-ur-ur-Opas Jugendsprache oder schauen Sie sich das Video zu Bastian Sicks Artikel Wo lebt Gott eigentlich heute? an.

Jedes Jahr zum #tagdermuttersprache

Ja, jedes Jahr schreibe ich einen Beitrag genau an diesem Tag. Weil es mir eine Herzensangelegenheit ist, dass das österreichische Deutsch nicht ausstirbt: Hüferl, Kren und Powidl gehören genauso dazu, wie unser Eh nett! (Nein, das ist kein Kompliment!) Die Liste der Austriazismen auf Wikipedia ist lang. Und nicht alles, was man so hört, ist wirklich ein Austriazismus, sondern vielmehr ein Regiolekt – hier ein paar Beispiele, die mir eher fern sind, die ich aber verstehe und regional einzuordnen weiß. Weil ich eben mehrsprachig bin. 😉 Und wenn ich lecker schon höre… Da lobe ich mir doch unser gschriams umi (oder schreibt man’s vielleicht doch gschreams umi?) und das ogölln (Danke an die Antenne Steiermark für die Umfrage zum steirischen Lieblingswort) und den Alltime-Favoriten: vawoadackelt (wie auch immer man es schreiben möge – ist ein Wort, das ich sage, aber nicht schreibe). Und weil heute Montag ist, ist morgen Irchti… Sollte man nicht vergessen, ist Teil der steirischen Tradition, oder einer der vielen Traditionen und Sprachen (Stoasteirisch eben).

Ab 2:43 Asterix auf Steirisch. Mein heuriger Beitrag zum #tagdermuttersprache. Wer eher auf Stereotype steht, kann sich ja von Des muass a Steirer sein inspirieren lassen. Achtung: Stereotypendichte sehr hoch.

Und da ich so nicht aufhören können: Das Lied über eine starke Frau von einer starken Frau, die „redt wia da Schnobl gwochsn is“ und die heuer ihren Bühnenabschied nimmt.

Wie mehrsprachig sind Sie?

Überlegen Sie mal, wie viele Sprachen Sie sprechen. Sprechen Sie Leetspeak? Sprechen Sie Emoji? Sprechen Sie im Beruf anders als zuhause? Sprechen Sie in einer Großstadt anders als am Land? Sprechen Sie Sarkasmus? Sprechen Sie Körpersprache? Sind auch Sie mehrsprachig? Eigentlich sollte man sich seiner Sprachen immer bewusst sein, denn sie prägen uns. Und wenn wir sie bewusst einsetzen oder nutzen, dann, ja dann sind wir wohl mehrsprachig…

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